Angst und Motivation

Angst und Motivation – wie funktioniert das?

Ja wo kämen wir denn hin, wenn ich mir von einer Leserin sagen lassen müsste, über was ich schreiben soll? Ich bin doch hier der gelernte Journalist, der Blogger, der große Schreiberling. Ich werde wohl am besten wissen, welche Themen gut für meine Leser sind.

Ach so, wo wir da hinkämen? Zu diesem Artikel kämen wir da hin. Am Dienstag hat mich nämlich meine liebe und treue Leserin Marlen gefragt, ob ich ihr einen Wunsch erfüllen und ihr in einem Blogbeitrag 3 Fragen zum Thema “Angst und Motivation” beantworten könnte.

Da ich meine Leser liebe und Experimente liebe, habe ich selbstverständlich ja gesagt. Marlen war baff, als ich zugesagt habe und weiß noch gar nicht, dass sie eine neue Rubrik erschaffen hat:

Leser fragen – Adios Angst antwortet

Oder sollte es besser heißen: Leserinnen fragen – Adios Angst antwortet, weil ich hauptsächlich Nachrichten von Frauen bekomme (rein themenbezogen natürlich). Oder Leser fragen – Mischa antwortet, weil ja nur ein Mensch und kein Blog antworten kann? Ach, über die Formalitäten werden wir uns schon noch einig. Du kannst mir ja gerne deine Idee dazu in die Kommentare schreiben.

Aber jetzt: Vorhang auf zur Folge 1 einer hoffentlich langen Serie. Wo uns die hinführen wird? Keine Ahnung. Lassen wir uns überraschen.

Wenn du auch schon Fragen oder Ideen hast, schreib sie mir. Nein, lies erstmal den Artikel fertig und schreib mir dann.

Hier kommen die 3 Fragen von Marlen und meine Antworten:

Was motiviert Dich dazu, Dich Deinen Ängsten zu stellen?

Zu dem Thema habe ich kürzlich einen interessanten Input bekommen. Was ist, wenn das, was wir als Angst klassifizieren, eigentlich Aufregung ist? Und wir uns von Dingen abhalten lassen mit dem Vorwand, wir hätten zu viel Angst davor, obwohl wir nur aufgeregt sind?

Die “echte” Angst ist ja evolutionstechnisch gesehen nur die körperlich Reaktion, wenn unser Leben in Gefahr ist. Wenn in Lapplands Wäldern der riesige Bär vor dir auftaucht, wenn dich jemand mit einem Messer bedroht, wenn du  dicht vor einem Abgrund stehst: Dann hilft dir die massive Adrenalinausschüttung zu einer extremen Aufmerksamkeits- und Leistungssteigerung, damit du die richtige Entscheidung triffst.

Aber ist mein Leben in Gefahr, wenn ich einen Vortrag vor 1000 Menschen halte? Wenn ich in ein unbekanntes Land reise? Wenn ich einen fremden Menschen auf der Straße anspreche? Wenn ich meinen Job kündige?

Richtige Antwort: Nein (es sei denn, du reist in ein Land, in dem der IS die Menschen terrorisiert, da hätte ich auch echte Angst). Also handelt es sich hier um Aufregung. Das ganz normale Lampenfieber. Erhöhter Herzschlag, leicht schwitzige Hände, ein Gefühl der Unsicherheit. Völlig normal. Erst, wenn du dem Ganzen den Stempel “Angst” aufdrückst, wird für dich das scheinbar unüberwindbare Hindernis daraus.

Deshalb ist meine Herangehensweise so: Wieso sollte ich mich NICHT einer Sache stellen, die KEINE Bedrohung für mein Leben ist? Ich muss einfach nur akzeptieren, dass es völlig okay ist, dass ich vor gewissen Dingen aufgeregt bin. Ich bekomme ganz gerne rote Ohren (in dem ein oder anderen Video-Interview zu sehen), meine Stimme ist manchmal ein bisschen belegt, das war’s. Aber das ist keine Angst, keine Panik und deshalb kein Grund davor wegzulaufen.

Früher habe ich das getan. Und was ist passiert? Je öfter ich etwas gemieden habe, was eigentlich nur mit Aufregung verbunden ist, desto sicherer war ich mir, dass ich wirklich große Angst davor habe. Wenn ich dann tatsächlich einmal so eine Situation meistern musste, dann habe ich den beschleunigten Herzschlag und die feuchten Hände für eine nahende Panikattacke gehalten, mich hineingesteigert und dann tatsächlich eine bekommen.

Kurz gesagt: Das Ganze ist ein Teufelskreis. Anders herum aber der Weg zu ungeahnten Möglichkeiten. Wenn ich anfange, mich der Aufregung (meinetwegen nenne es auch Angst) zu stellen, erschließen sich mir großartige Dinge, die mir vorher verwehrt geblieben waren.

Ich habe einen Vortrag vor 150 (okay, keine 1000) Menschen in der Klinik gehalten und mich dafür feiern lassen. Ich bin allein losgefahren, habe fremde Länder erkundet und überragende Eindrücke gewonnen, die mir keiner mehr nehmen kann. Ich habe fremde Menschen angequatscht und bin mit großartigen Gesprächen und Inspirationen belohnt worden. Ich habe meinen Job gekündigt und genieße jeden Tag in der Freiheit der Selbstständigkeit.

Mein Leben hat sich um 180 Grad gewendet, seit ich nicht mehr davonlaufe. Wenn du deine Aufregung akzeptierst, bekommst du Zugang zur Veränderung. Und was passiert, wenn du Veränderung zulässt? Du hast endlich die Chance, das Leben zu führen, das zu dir passt und zu deiner wahren Größe zu reifen.

Das ist für mich Motivation genug.

An was glaubst Du, dass du immer weitermachst?

In erster Linie glaube ich an mich und meine Fähigkeiten, alle Situationen zu meistern. Ich glaube daran und ich weiß, dass das Leben Freude macht. Ich habe einen unersättlichen Hunger nach Leben. Ich bin glücklich und dankbar für jeden neuen Tag.

Also bedeutet “weitermachen” für mich keinen Zwang, mich durchs Leben zu kämpfen und irgendwie durchzukommen (so wie ich es als Einstellung der meisten Menschen erlebe), sondern “weitermachen” ist die Einladung, mutig auf meinem Weg voranzuschreiten und all die Geschenke anzunehmen, die das Universum für mich bereithält.

Was stimmt dich zuversichtlich, auch wenn Du Dich grad absolut beschissen fühlst?

Mich stimmt zuversichtlich, DASS ich mich beschissen fühle. Denn das ist der 100-prozentige Hinweis darauf, dass ich mit meiner Situation unzufrieden bin. Wenn ich unzufrieden bin, weiß ich, dass die nächste Veränderung ansteht.  Und Veränderungen sind der Schlüssel zu einem besseren Leben.

Alle Veränderungen der vergangenen zweieinhalb Jahre haben mich extrem nach vorne katapultiert. Und alle waren das Resultat von Umständen, in denen es mir beschissen gegangen war.

Erst kürzlich hatte ich wieder so eine Phase, in der ich recht unruhig und unzufrieden mit mir war. Im Gegensatz zu früher breche ich jetzt nicht mehr in Panik aus und denke mir “Hilfe, jetzt geht’s wieder bergab!”, sondern horche in mich hinein, suche Hilfestellung in Büchern und spreche mit anderen Menschen darüber.

Das Wichtigste dabei: Ich vertraue einfach darauf und weiß, dass die Antwort schon in mir liegt und dass die richtigen Bücher und Menschen in dieser Zeit in mein Leben kommen und mir weiterhelfen. Esoterischer Hokuspokus? Die Meinung darfst du gerne haben. Besser geht’s dir aber, wenn du es selbst mal ausprobiert.

Ach, du willst noch wissen, was dabei herausgekommen ist? Die Antwort war, dass ich mir es schon wieder ein wenig zu gemütlich im Leben gemacht hatte. Dass ich einen Staus Quo erreicht hatte, mit dem ich sehr zufrieden sein kann, aber der mich ein wenig eingelullt hat.

Also heißt das Motto ab jetzt: “Wie wird das jetzt noch besser?” Ich freue mich schon darauf, dir in den nächsten Monaten von den Ergebnissen berichten zu können.

So, liebe Marlen, das waren meine Antworten. Ist doch ganz schön lang geworden. Aber kein Wunder bei den super Fragen 🙂 Vielen Dank dafür!

Und jetzt bist du dran: Wie gefällt dir das neue Format? Helfen dir meine Antworten weiter? Schreib doch einfach deine Meinung in die Kommentare! Wenn du auch Fragen hast, die ich gerne mal in der neuen Rubrik beantworten soll, schreib mir einfach eine E-Mail an mischa@adios-angst.de oder nutze das Kontaktformular. Alle weiteren Hintergrundinfos gibt es wie gewohnt im Newsletter. Bis du schon angemeldet?

Foto: Unsplash.com

9 Comments

  1. Veröffentlich von Marlen am 27. September 2015 um 20:14

    Lieber Mischa,
    ich bin wirklich sehr beeindruckt. Du bist echt ein Mann der Taten und Neuerungen. Drei Fragen von mir und drei schnelle und erwartungsgemäß sehr gute Antworten von Dir und eine neue Rubrik.
    Vielen Dank fürs Fragenbeantworten.
    Am besten gefällt mir der Satz “Wie wird das jetzt noch besser?”.
    Ja, es wird, definitiv.
    Viele Grüße.
    Marlen

    • Veröffentlich von Mischa am 28. September 2015 um 9:49

      Hi Marlen,

      gern geschehen 🙂

      Und ja, der Satz ist großartig und hat was Magisches. Viel Freude beim Entdecken, wie es besser wird!

      Liebe Grüße

      Mischa

  2. Veröffentlich von Helmut am 28. September 2015 um 21:27

    Hallo Mischa,

    so habe ich das noch gar nicht gesehen, aber du hast recht, das meiste vor dem ich scheinbar Angst habe hat vermutlich wirklich nur mit Aufregung zu tun. Finde ich echt interessant Angst mal anders neu zu sehen, aber es ist schon echt schwierig wenn man schon sehr lange so geprägt ist “Angst” zu haben, weil man immer wieder einen auf den Deckel bekommen hat wenn man sich äußert und was von sich Preis gibt. Es kostet mich auch schon Überwindung das hier zu schreiben.

    Ich kann dir da auch voll zustimmen mit dem das wir die Antworten in uns finden, ich habe die Erfahrung gemacht das ich, wenn ich mich innerlich frei mache dann sehe ich viele Antworten in den Dingen die da um mich sind, manchmal ist das ein Buch, ein Bericht in der Zeitung, ein Film, Menschen mit denen ich spreche und mich dann inspirieren. Das erfahre ich aber nur wenn ich meinen Geist hören lasse, dann sind die Antworten wie ein Echo das mir dann aus meinem inneren auf meine Fragen antwortet. Ich hoffe das hört sich jetzt nicht komisch an, aber besser kann ich das nicht beschreiben wie ich das erfahre.

    Aber du hast mir mit deinem Blog und auch mit diesem Artikel Mut gemacht weiter zu machen meine Ängste auch hinter mir zu lassen und dein “Bonjour Leben” finde total Klasse, das hat was, das ist wie wenn die Sonne auf geht.

    Finde ich echt gut diese neue Rubrik, kann ich nur zustimmen, danke an dich Mischa dieser Beitrag hat mir schon sehr viel gebracht und an Marlene für den Mut “den gelernten Journalisten” herauszufordern ;-).

    Interessant wäre von anderen zu hören wie kann das praktisch im täglichen Leben gelebt werden, seine Ängste los zu werden, kann man das irgendwie üben, geht das? Oder ist das eine blöde Frage?

    Bonjour Mischa.

    LG
    Helmut

  3. Veröffentlich von Mischa am 29. September 2015 um 12:41

    Hallo Helmut,

    das hört sich gar nicht komisch an, im Gegenteil. Du beschreibst genau den Prozess, wie man an seine wirklichen Wünsche und Bedürfnisse kommen kann. Nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Hineinhören und Spüren.

    Deine Frage ist berechtigt, nur gibt es darauf keine eindeutige Antwort. Denn der Prozess, sich nicht mehr von seiner Angst geißeln zu lassen, besteht aus vielen Einzelteilen und nicht aus einem Knopfdruck. Was du tatsächlich üben kannst, ist Gelassenheit und innere Ruhe. Zum Beispiel mit Yoga, Meditation, etc. Ich finde diesen Punkt komplett unterschätzt. Wer viel innere Ruhe hat, kann gar nicht so schnell Angst und Panik bekommen.
    Die weiteren wichtigen Punkte aus meiner Sicht sind Selbstwertgefühl (wie redest du über dich selbst?), Abgrenzung (passen gewisse Leute wirklich in den Leben?), Loslassen (wie viel Sicherheit und Kontrolle verträgt mein Leben?), Konfrontation (du hast Angst vor einer Rede? Halte eine Rede!), Ernährung (gehe ich wirklich so gut mit meinem Körper um, dass er nicht Angst zu haben braucht?) und Fitness (bekommt mein Körper genug Auslauf, damit ich mich wohlfühle?)

    Puuh, ich glaube das war der Beginn meines Buchs 😉

    Liebe Grüße und dir alles Gute

    Mischa

  4. Veröffentlich von Conny am 29. September 2015 um 17:11

    Hallo Mischa, hallo Marlen,
    ich finde diese Rubrik auch prima! Ich glaube nur, ich könnte meine Fragen nicht auf drei begrenzen 😉
    Ich spüre schon einen Unterschied, ob ich vor etwas aufgeregt bin oder Angst habe. Wenn ich vor etwas Angst habe, bin ich neben den Aufregungssymptomen, wie Herzklopfen, feuchte Hände etc. zusätzlich wie gelähmt. Beispiel “unangehmer Anruf”: Ich stehe vor dem Telefon, mache zig Anläufe, bin aber einfach nicht fähig, den Hörer in die Hand zu nehmen und anzurufen. Das endet dann mit Tränen und Ärger auf mich selbst.
    Aaaaber, jetzt kommt das Positive, ich habe mittlerweile herausgefunden, dass das bei mir Angst vor Ablehnung ist oder auch Angst vor einem zu autoritären Gesprächspartner, der mich mit ein, zwei Sätzen unterbuttert. Von Gesicht zu Gesicht kann ich mich häufig besser behaupten oder mich einfach rumdrehen und gehen, wenn mein Gegenüber respektlos wird.
    Meine frühere Prüfungsangst ist hingegen zu einer (nur noch) Aufregung geworden, was für mich Ende 2014, Anfang 2015 ein riesen Erfolg war.
    Sich den Ängsten stellen ist, glaube ich, ein immer währender Prozess. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich damit irgendwann “fertig” bin.

    Lieben Gruß
    Conny

    • Veröffentlich von Mischa am 1. Oktober 2015 um 8:54

      Hi Conny,

      herzlichen Dank für deine offenen Worte!

      Ich stimme dir zu, dass man nicht irgendwann den Deckel draufmachen kann und sagen “Jetzt habe ich keine Angst mehr”. Andererseits ist der Prozess auch spannend und zeigt einem immer wieder Bereiche auf, in denen man sich gewisse Limitierungen setzt, anstatt das Leben in seiner ganzen Fülle zu genießen. Insofern ist die Angst als Augenöffner gar nicht so schlecht, wenn man mit ihr umgehen kann.

      Ich freue mich für dich, dass du in diesem Thema vorankommst und wünsche dir alles Gute!

      Liebe Grüße

      Mischa

  5. Veröffentlich von Danijel am 20. Januar 2016 um 14:59

    Hey Mischa schöner Beitrag und interessant wie du Angst aus einem anderen Sichtwinkel siehst. Ich persönlich habe Angst immer so betrachtet das man eigentlich immer nur vor etwas in der Zukunft hat. Zum beispiel wie du oben geschrieben hast wo du eine Rede gehalten hast. Das heißt das du “JETZT” Angst hast eine rede z.b “MORGEN” zu halten. Man hat ja meisten vor etwas Angst das passieren könnte oder wenn man in Gefahr ist. Und da wir in der heutigen Welt nicht mehr so in Gefahr sind:)) habe wir ja meistens Angst vor der Zukunft. Und zweites dieses Gefühl das wir nachdem wir uns unserer Angst gestellt haben ist 1000mal schöner als das Gefühl das wir etwas nicht gemacht haben. Auch in bereich Motivation….jeder kennt das wenn man zum Beispiel zu faul zu müde oder was auch immer ist und man eigentlich ins Training will, aber man gar keine Lust hat und dann trotzdem geht. Das Gefühl danach das man trotzdem gegangen ist ist 10000mal schöner wie das Gefühl auf der Coach liegen geblieben zu sein:))))
    Habe mal ein Like auf deiner Facebook Seite da gelassen und bin gespannt was ich noch so Interessantes lesen werde bei dir:)))
    Beste Grüße Danijel

    • Veröffentlich von Mischa am 20. Januar 2016 um 15:36

      Hi Danijel,

      besten Dank für deinen Kommentar!

      Stimme dir völlig zu: Das Gefühl, seine Angst überwunden zu haben und über seine Grenzen gegangen zu sein, ist unübertroffen und unbezahlbar. Einfach mal Augen zu und einfach machen 😉
      Manchmal ist es aber auch verdammt schön, auf dem Sofa liegenzubleiben. Gehört genauso dazu 🙂

      Liebe Grüße
      Mischa

      • Veröffentlich von Danijel am 20. Januar 2016 um 16:05

        haha jaaa das sowieso:)))))sind ja auch keine Roboter :)))Mir hat mal ein guter Freund gesagt der auch im Business sehr erfolgreich ist….das es nichts schöneres gibt als wenn man weiß das alles erledigt ist und man sich dann in ruhe zurücklegen kann und einfach nichts tut:))))

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