Was wirklich zählt

Was wirklich zählt im Leben? Ich habe immer noch keine Ahnung. Doch immerhin wieder mehr Lust, drüber zu schreiben.

Okay, Entwarnung für alle, die glauben, ich sei nach zwei Monaten (Social Media und Business-)Auszeit ein anderer Mensch geworden. Dem ist nicht der Fall. Ich mache noch immer schlechte Witze, die manche Menschen nicht verstehen, stolpere ab und an über die eigenen Beine und lass mir am liebsten, dick in Decken eingemümmelt, auf meiner Balkon-Liege die Sonne ins Gesicht scheinen.

Irgendwie lustig, wie oft ich nach meinem letzten Artikel absolut super lieb gemeinte Kommentare wie “Du wirst wie Phönix aus der Asche wiederkommen” gelesen habe. Kurzzeitig habe ich sogar selbst dran geglaubt. Rückzug, Innehalten, Durchstarten. So geht Auszeit heute.

Ja, ich fühle mich tatsächlich frischer, tatkräftiger und energiegeladener als noch Mitte November. Ich durfte nochmal ganz neue Seiten an mir entdecken und habe öfter den Mond vor lauter Schmerz angeheult. Es kamen eine Reihe von Informationen in mein Leben/mein System, die mal erhellend, mal verstörend waren und auf alle Fälle sehr wegweisend für meine weitere abenteuerlich-bunte Tour durchs Leben sind.

Wo ist der Pokal für die triumphalste Rückkehr?

Kurz gesagt: Es war eine verdammt gute Idee, mir so viel Zeit für mich zu nehmen. Und es hat eine ganze Weile gebraucht, bis ich verstanden habe: Es gibt hier nix zu gewinnen. Keine Meisterschale für die am besten genutzte Auszeit mit der triumphalsten Rückkehr. Keine Belobigung für besonders lange Social Media-Auszeit vom Enthaltsamkeitsminister.

Stattdessen: Ich lebe, ich lerne, ich gebe mein Bestes, damit es mir und den Menschen in meinem Umfeld gut geht. Ich kann gar nicht mehr tun, als zu atmen und einfach ich zu sein – und dann zu schauen, was dabei passiert.

Einige interessante Erfahrungen durfte ich in meiner Auszeit machen, dir mir noch stärker gezeigt haben, wo mein Weg lang geht und was für mich wirklich wirklich wichtig ist. Definitiv nicht alles an Erkenntnissen fühlte sich wie Grießbrei mit Zimt an. Falls du in gewissen Situationen auch schon mal dein Ego vom Thron gestürzt oder dein eigenes Denkmal zertrümmert hast, weißt du, was ich meine.

Doch genug des Geschwafels um den heißen Brei. Hier kommt mein höchst persönliches und rein subjektives Update von “Was wirklich zählt im Leben.” Ich freu mich schon auf deine eigene Liste in den Kommentaren.

#1 Commitment

Mischa, der coole Hallodri. Ständig überall und nirgends. Immer unterwegs, der alte Wohnmobil-Vagabund, stets bereit für neue Abenteuer, Projekte, Menschen. Nur ja auf nichts festlegen, ständig bereit, alle möglichen Entscheidungen wieder zu verwerfen. Geh mit dem Flow, das Leben kümmert sich schon. Weisse Bescheid.

Grundsätzlich steckt da viel Richtiges und Wichtiges für mich drin. Alles besser, als ein eingeengtes und voll durchgetaktetes Leben in der Käfighaltung eines Arbeitnehmer-Büros. Freiheit, mein höchster Wert. Für den stehe ich gerade, gehe all-in, riskiere auch einiges.

Doch habe ich erst jetzt so richtig kapiert: Freiheit und Commitment schließt sich nicht aus. Im Gegenteil. Mein Freiheitsgefühl erhöht sich sogar, wenn ich ein paar feste Vereinbarungen mit mir und anderen habe. Diese Eckpfeiler stützen mein Leben. Ich habe (zumindest ein wenig) mehr Struktur und bin zugleich für andere verlässlicher.

Gerade in meinen Zeiten in unserer Wohnung in Kempten war ich im Geiste ganz oft schon wieder on tour. Habe mich wesentlich seltener mit Freunden getroffen, als es möglich gewesen wäre. War dauernd auf dem Sprung zum nächsten Abenteuer und deshalb selten mit voller Präsenz anwesend.

Damit lautete die vielleicht sogar wichtigste Entscheidung meiner Auszeit (anwendbar auf alle Orte):

Wenn ich hier bin, bin ich voll und ganz hier.

Das fühlt sich sowas von kraftvoll an. Als ich das kürzlich meinem Nachbarn erzählt habe, gab’s gleich Hennebrupfa oben drauf. Das war Allgäuerisch und heißt übersetzt Gänsehaut.

#2 Demut

Ich bin wichtig. Für mich. Für die Menschen, die mir begegnen, denen ich in irgendeiner Form helfen darf.

Und ich bin nicht wichtig. Ich bin ein winziger Pups des universellen Lebens. Wenn ich auf dem Weg zur Erleuchtung und Jesus-ähnlichen Zuständen nicht bald ganz gewaltige Fortschritte mache, wird sich schon ein paar Jahrzehnte nach meinem Tod keine Sau mehr für mich interessieren.

Nachdem ich keine Erleuchtung anstrebe und mir dauerndes Barfußgehen zu kalt ist (was das Thema kalte Füße angeht, bin ich echt mehr Frau als Mann), darf ich mich wohl mit meiner Unwichtigkeit abfinden.

Irgendwie auch befreiend in einer Zeit, wo gefühlt jeder Zweite, dem ich on- oder offline begegne, ein Guru, Heiler, Jahrhundert-Premium-Coach, Schamane oder sonstwie toller Erlöser-Hecht ist. Inklusive großem Getöse und haufenweise kurioser Versprechen.

Ich verspreche nichts. Und halte mich daran, wie Krishna Das, einer der weltweit bekanntesten Mantrasänger, “Spiritualität” definiert: “Spirituality is the path to become a good human being. A complete human being.” Es gehe nicht um Erleuchtung und den ganzen Tag über seine spirituellen Fortschritte und Erkenntnisse zu reden. Sondern einzig und allein darum, die eigene Wahrheit zu leben und den Menschen zu dienen.

Ob ich das zu jeder Sekunde hinbekomme? Vermutlich nicht. Und trotzdem oder gerade deswegen erscheint es mir als das einzig erstrebenswerte Ziel des Lebens jenseits aller feuchten Porsche-Träume der spirituellen Leader-Szene.

Demut heißt für mich auch, dankbar für jeden einzelnen Menschen zu sein, der mit mir arbeiten will, auch wenn ich ihm nichts verspreche und kein guter Marktschreier bin.

Im Übrigen steckt in Demut das Wort Mut, was ich besonders mag.

Ob es ein Zeichen von Demut ist, dass ich mich ab jetzt nicht mehr professioneller Mutmacher sondern Professor Mut nenne? Das mögen andere beurteilen. 😉

#3 Mich in Ruhe lassen

Wer sich eine Auszeit gönnt, hat viel Zeit für inspirierende Dinge. Wie es der nicht vorhandene Zufall so will, bin ich vor ein paar Monaten auf die wunderbar frech-verrückte Körperforscherin/Therapeutin Ilan Stephani gestoßen. Sie haut manchmal bei Interviews Sachen raus, die sich niemand anders auszusprechen wagen würde. Dafür liebe ich sie, weil bei vielen ihrer Worte mein Körper signalisiert: “Ja, ja, ja, sie hat sowas von Recht!”

Ein Satz von ihr hat sich bei mir eingebrannt. Sinngemäß lautet er so: Willst du mehr Freude im Leben haben, dann lass dich selbst endlich mal in Ruhe.

Ich habe den Satz als Alarmknopf installiert. Wenn ich merke, dass ich gerade schon wieder an mir herummäkeln will (“ist 15 Uhr und du bist noch nicht geduscht”, “du machst zu wenig auf Social Media seit deiner Rückkehr”, “schon Ende Januar und die Ausschreibungen für die Seminare sind immer noch nicht fertig”), dann geht die Sirene an. Ah, stimmt. Ich wollte mich ja öfter in Ruhe lassen. Ich bin ja schon genug und tue schon mein Bestes. Ende der Geschichte.

Mir etwas Gutes zu sagen, während mein innerer Kritiker am lautesten rumjammert, schafft ziemlich viel Frieden. Interessanter Nebenaspekt: Je öfter ich das schaffe, umso mehr Lust auf Arbeiten/Erledigen/Tun habe ich insgesamt. Nur oft in völlig anderen Momenten, als es sich der Kritiker ausgedacht hatte.

#4 Verbindung

Der beste und schnellste Weg zur (Trauma-)Heilung führt über echte Verbindung zu anderen Menschen. Unser autonomes Nervensystem jubiliert, wenn wir in einer als sicher empfundenen Umgebung endlich offen über unsere aktuellen Gefühle reden können. Das ist, super kurz zusammengefasst, der Kern der Arbeit des Traumatherapeuten Gopal Norbert Klein.

Er war für mich, neben Ilan Stephani, DIE Entdeckung 2019. Plus die nicht ganz überraschende Erkenntnis, dass fast alle Menschen in diesem Land unter irgendeiner Form von Entwicklungstrauma/Bindungstrauma leiden.

Mehr dazu, warum ich mich überhaupt zum ersten Mal in meinem Leben ausführlich mit dem Thema “Trauma” beschäftige, was ich dabei gelernt habe und welche Informationen ich liebend gerne teile, schreibe ich in einem extra Artikel.

Mir ist zumindest nochmal bewusst geworden, wie sehr bei meinem Klinikaufenthalt vor sieben Jahren die Verbindung zu den anderen Patienten und der offene Austausch zu meiner Heilung beigetragen haben – und zwar vermutlich deutlich mehr, als alle anderen Maßnahmen zusammen.

Wenn ich bei Menschen bin, die mich komplett so sein lassen, wie ich bin, mir zuhören (mit offenem Herzen und ohne mich belehren zu wollen) und bei denen jedes Gefühl da sein darf, merke ich jedesmal, wie viel Frieden damit in mein System kommt.

#5 Beten

Ja, wer hätte es gedacht? Ich bete wieder.

Früher musste ich, als streng katholisch erzogener Junge und braver Ministrant. Und fand das ganze genormte Spektakel in der Kirche nicht so erbaulich, dass es mir irgendeinen Nutzen für mein Seelenheil versprochen hätte.

Damit war das Thema – auch allgemein das Thema Gott – erst einmal für gute zwei Jahrzehnte auf Eis gelegt.

Zum Glück kam mit meinem Aufwachen auch die klare Erkenntnis: Da gibt es eine Energie, die größer ist als alles, was wir uns vorstellen können.

Gott ist für mich nicht mehr das Oberhaupt irgendeines religiösen Konzerns, der mit Rauschebart auf einer Wolke sitzt und Strichlein macht, wenn wir gut oder böse waren. Sondern Gott ist für mich die allumfassende Energie, der Grund für alles Leben, die kosmische Ordnung.

Ich habe schon oft genug erfahren dürfen, wie viel Kraft ich bekomme, wenn ich Kontakt zu dieser Energie aufnehme.

Deshalb bete ich wieder. Stelle viele Fragen und bekomme (manchmal sogar ziemlich schnell) Antworten.

Als ich meiner Mutter gestern am Telefon von meinem Bet-Comeback erzählt habe, war sie ganz schön gerührt.

Fühlt sich gerade ziemlich spooky an, über dieses Thema zu schreiben und macht mich auch immer ein bisschen nervös.

Doch es ist nunmal, wie es ist. Ich bete, um zu zeigen: Ich bin da. Und ich bin bereit, meinen Auftrag hier zu erfüllen.

#6 Spielen

Spielen lautet meine Überschrift für 2020.

Das umfasst zwei Aspekte: Das Spielen in Form von musikalischem Spielen, Mantra singen & Co. Und die Frage: Wie spielerisch lässt sich mein Leben gestalten, mein Umgang mit anderen Menschen, meine Arbeit, meine Hobbys?

Ich liebe das Ausprobieren, anders machen, kindisch sein. Je öfter ich einfach mal Quatsch mache, umso lebendiger fühle ich mich.

Ich liebe es auch, wie viel Quatsch mein Körper von sich aus macht, wenn ich ihm z.B. beim Freien Tanzen oder Schütteln einfach mal machen lasse.

Die Konsequenz: Noch mehr Quatsch machen. Noch mehr spontan handeln. Noch mehr volles Risiko gehen. Noch weniger auf seriöse Bedenkenträger hören.

Und vor allem: Noch viel mehr Mantra singen. Das ist so etwas wie DER Auftrag schlechthin. 2019 hatte ich dem Thema schon breiten Raum gegeben und ganz viele Erfahrungen gesammelt.

Mit der Krönung Ende November bei der “Kirtan Flight School” von Dave Stringer in Berlin. Als Leadsänger unserer bunt zusammengewürfelten siebenköpfigen Combo durfte ich live erleben, wie sich Ekstase auf der Bühne und bei den Zuhörern anfühlt. 15 Minuten wie im Rausch, hinterher Gratulation von allen 30 Teilnehmern samt Seminarleitern mit fast demselben Inhalt: “DAS hätten wir dir echt nicht zugetraut. Und du weißt schon, dass das kein Einzelfall bleiben darf.”

Also habe ich zwei Tage später eine Mantra-Band mit 5 Mitgliedern gegründet. Zweimal haben wir schon geprobt, bald werden wir auftreten und mit anderen unsere Begeisterung teilen. Ist einer von uns gelernter/erfahrener Musiker? Nein. Trauen wir uns trotzdem? Na klar! Irgendwo habe ich mal den Satz “Mut ist Angst plus ein Schritt” gelesen. Da ist irgendwas dran …

#7 Liebe

Erklärt sich von selbst.


Apropos Commitment: Wer sich als Coach bezeichnet, darf auch ein Coaching-Angebot auf seiner Seite haben. Deshalb habe ich als eine der ersten Amtshandlungen meine Coaching-Seiten komplett überarbeitet und wieder eingestellt. Kuck mal hier:

Mut-Coaching: Einfach. Mutig. Sein

Intensiv-Naturcoaching: Einfach. Draußen. Sein


 

14 Kommentare

  1. Veröffentlich von chris am 27. Januar 2020 um 9:26

    top Blog Beitrag wieder muss ich sagen, seitdem du deinen blog eröffnet hast verfolge ich ihn und deine Geschichte du bist noch immer die Nummer 1 für mich in Sachen Angst und Mut.

    • Veröffentlich von Mischa am 27. Januar 2020 um 19:43

      Hej Chris,

      wow, ein Mann der ersten Stunde! Das ist ja echt ein Riesenkompliment für mich.
      Danke für deine Treue und danke für das wunderschöne Lob!

      Alles Liebe
      Mischa

  2. Veröffentlich von Anja Reiche am 27. Januar 2020 um 11:20

    Das war gerade meine Morgenlektüre. Das Ergebnis? Ich liege breit grinsend im Bett und feier dich. Ehrlich, schnörkellos, witzig, leicht, frei von der Leber. Herrlich!!! Genau das braucht die Welt bei so vielen Guru-Hochpreis-Coaching-Versprechen. Much love to you! ❤️❤️❤️❤️

    • Veröffentlich von Mischa am 27. Januar 2020 um 19:44

      Hach, das geht ja runter wie ne warme Morgendusche mit Vanille-Kokos-Seife 🙂
      Ganz fettes Danke <3

  3. Veröffentlich von Moni am 27. Januar 2020 um 19:29

    Hey Mischa,
    man(n), schreiben kannste echt! Es ist immer wieder wunderbar, Deine Artikel zu lesen + zwischendurch “Nick-Alarm” zu haben 😀 Auch heute wieder, neben Schmunzeln, Grinsen, breitem Lächeln + mit liebevollem Blick weiterlesen. Hach, dat war schön 🙂 VG

    • Veröffentlich von Mischa am 27. Januar 2020 um 19:45

      Hej Moni,

      in der Tat, hab ich gestern auch wieder mit Freude festgestellt 😉 Wie schön, dass ich dein Grinse-Schmunzel-Lächel-Nick-Begleiter sein darf 🙂

      Alles Liebe
      Mischa

  4. Veröffentlich von Moe am 28. Januar 2020 um 0:28

    Was WIRKLICH zählt im Leben?…

    ..Ich würd ja sagen:

    Wennde zum Grießbrei mit Zimt auch noch Zucker findest.. Mach’ma – DAS könnte Dir gefehlt haben, habich so jedacht eben 🙂

    Geil ansonsten. Danke.
    Was nämlich witzig is:

    Gestern hatte ich im Auto plötzlich anner Ampel den Satz im Kopf:

    “Hunger for people who touch my soul, not my ass!” – und wa passiert mir heute? Lesich Deinen neuesten Text!
    Cool, wie fix das Universum is, wenn mans einfach machen lässt… 😉

    Gut, dass Du zurück bist.

    LG, Moe

    • Veröffentlich von Mischa am 28. Januar 2020 um 11:29

      Hej Moe,
      oh ja, das Universum is sowas von schnell und hat echt richtig gute Ohren bzw. Antennen 😉

      Ich kümmer mich um den Zucker und dann geht die Party richtig ab!

      Danke für den geilen Satz, den merk ich mir.

      Alles Liebe
      Mischa

  5. Veröffentlich von Anne am 29. Januar 2020 um 10:22

    Moin,

    danke. Du hast ein paar Gedanken sehr klar in Worte gefasst, die mir auch im Hirn rumgeisterten, ich aber noch nicht ganz zu fassen bekommen habe.

    Liebe Grüße
    Anne

    • Veröffentlich von Mischa am 1. Februar 2020 um 11:09

      Hej Anne,

      ich bin Gedanken-Fasser von Beruf 🙂
      ALles Liebe
      Mischa

  6. Veröffentlich von Ellen am 1. Februar 2020 um 14:51

    Hey Mischa,
    Wie immer toller post! 🙂
    Ich bin ein kleiner Fan von deinem Weg zurück ins Leben aus der Angst. Daher hoffe Ich deinen Rat zu bekommen:
    Also so kurz es geht zu mir..
    Ich habe schon eine lange Geschichte von Angst/Panik/Depression, angefangen hat mein Leidensweg mit einer großen Panikattacke im Jahr 2014. Damals wusste Ich aber nicht das es eine Panikattacke war. Ich hatte alle Untersuchungen die es nur gibt, organisch ist alles gut. Nach ca 1 Jahr erfuhr Ich dass es wohl eine Panikstörung ist und fing an Sie so wie du sozusagen beschriebst zu akzeptieren und weiter zu machen.. dann nach ca 3 Jahren schaffte Ich es fast angstfrei zu sein.
    Jetzt im September ist die Panik/ Angst wieder da.. und leider wieder so extrem wie sie mal war..
    Ich habe zudem eine Angst auf mein Herz bezogen entwickelt und fühle mich nach dem Aufwachen immer sehr zittrig und nervös. Dies hält auch dann weiter über den Tag und Ich steigere mich extrem da rein und kann an nichts mehr anderes denken als an : Was ist nur los mit dir, warum kannst du nicht wieder normal sein, oder Was wenn das für immer so bleibt..? 🙁

    Das alles ist echt schwer für mich und endet oft in extremen Panikattacken die sich anfühlen wie ein Herzinfarkt ..

    Ich weiß nicht mehr weiter.. Ich habe sehr angst dass es villt für immer so bleibt..

    Würde mich sehr über deine Antwort freuen Mischa..
    Danke und LG,
    Ellen

    • Veröffentlich von Mischa am 1. Februar 2020 um 15:55

      Hej liebe Ellen,

      dankeschön für deine Offenheit! Und ich kenne das Gefühl: “Was ist, wenn das für immer bleibt?” nur zu gut. Deshalb kann ich dir zumindest eine sichere Antwort geben: Auch bei dir steht darauf nicht lebenslänglich. Dazu kenne ich inzwischen zu viele Menschen, die alle – jeder auf ganz unterschiedlichem Weg – sich von der Panik verabschiedet haben.

      Einen individuellen Rat, was jetzt für dich dran ist, kann ich dir nicht geben. Was ich immer für eine gute Idee halte: Sich mit dem Thema Trauma, insbesondere Entwicklungstrauma, zu beschäftigen und möglicherweise eine körpergestützte Therapie (Somatic Experiencing) bei einem Therapeuten zu machen, bei dem du dich sicher fühlst. Allgemein: wieder mehr körperlich werden, singen, tanzen, schütteln, in den Wald gehen und herumschreien, dich auf dem Boden wälzen, dich mit der Natur verbinden, ganz viel draußen sein, die Stille suchen – das sind alles Sachen, die mehr sehr auf meinem Weg geholfen haben.

      Sabine Stemp, eine gute Freundin, arbeitet als Coach direkt mit dem Thema: https://www.sabinestemp.de/ – vielleicht schaust du mal, ob sie zu dir passen könnte.

      Grundsätzlich darfst du dir die Frage stellen: Bin ich wirklich, wirklich bereit die Angst gehen zu lassen? Entscheide ich mich ohne Wenn und Aber für etwas Neues? Darf mein Leben auch leichter und einfacher sein? Fühl da mal ganz ehrlich rein, die Antwort ist schwieriger, als du vielleicht glaubst.

      Herzliche Grüße und alles Gute
      Mischa

      • Veröffentlich von Ellen am 1. Februar 2020 um 20:26

        Lieber Mischa,
        Ich danke dir so sehr für deine Antowert und die Zeit die du dir genommen hast!
        Deine Tipps regen wie immer sehr zum nachdenken an. Das mit der Somatic Experience Therapie klingt interessant und wer weiß villeicht würde mir soetwas wirklich helfen. Ich schaue auf jedenfall mal bei dem link rein.
        Ich habe irgendwie seit dem Ich diese Panikstörung hab das Selbstvertrauen in meinen Körper verloren und es fällt mir im Moment schwer zu glauben dass es besser wird.. :/
        Ich hab immer diese Gedanken : Was wenn du stirbst? Was wenn du verrückt wirst?

        Zu dem: Grundsätzlich darfst du dir die Frage stellen: Bin ich wirklich, wirklich bereit die Angst gehen zu lassen? Entscheide ich mich ohne Wenn und Aber für etwas Neues? Darf mein Leben auch leichter und einfacher sein? Fühl da mal ganz ehrlich rein, die Antwort ist schwieriger, als du vielleicht glaubst.
        Das ist eine wirklich sehr gute Frage, Ich hab manchmal so das Gefühl das Ich ohne dieser Angst nicht kann also Ich weiß garnicht mehr wie es sich anfühlt angsfrei zu sein.. 🙁

        Ich danke dir wirklich sehr für deine Antwort..
        Lg Ellen

        • Veröffentlich von Miri am 5. Juli 2020 um 14:01

          Liebe Ellen,
          ich habe deinen Kommentar gelesen und musste an meine Symptome denken. Ergänzend zu allem mag ich dir noch ans Herz legen, dich mal zu Hashimoto zu informieren. Das ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Dabei wird die Schilddrüse angegriffen und kann immer weniger Hormone produzieren. Symptome einer Unterfunktion sind eben ua auch Angst, Depressionen usw. Leider kennen sich viele Ärzte nicht gut damit aus, obwohl extrem viele Menschen diese Erkrankung haben. Ich selbst habe sie seit 2011,kannte mich aber lange nicht damit aus und habe zunächst auf Ärzte vertraut. Ich war bis Anfang des Jahres für 1,5 Jahre in heftiger Unterfunktion und habe sehr gelitten. Ich habe mich dann selbst viel damit beschäftigt und mir Ärzte gesucht, die meinen Weg mit gehen. Seitdem ich endlich gut eingestellt bin, geht’s mir wieder viel besser. Es gibt tatsächlich auch Ärzte, die sich damit auskennen, aber da muss man manchmal etwas suchen. Bei mir gab es über die Jahre auch Phasen wo die Angst (u div körperliche Symptome) kam und ging, wie bei dir. Und ich weiß inzwischen, dass ich da dann wieder schlecht eingestellt war.
          Ich will auch nur sagen, es kann halt doch auch körperliche Ursachen haben, die nur noch nicht erkannt wurden. Neben der psychischen Arbeit, die unheimlich wichtig ist, so oder so, kann das eben ein weiterer Baustein sein. Und wenn die Hormone zB fehlen, kann die psychische Arbeit es allein auch nicht unbedingt komplett richten. Übrigens können auch Progesteronmangel und diverse Vitamin Mängel diverse Symptome auslösen.
          Ich hoffe, du findest den richtigen Weg und die richtige Lösung für deine Probleme und wünsche dir alles Gute. Es wird besser werden, ganz sicher 🙂 Mein Mantra in dieser Zeit waren Sprüche wie: “you are stronger than you think”, “tomorrow is a new day” (es wird also immer wieder auch besser werden, die chance auf einen frischen Start/Besserung) und “you were given this life because you are strong enough to live it”. Du schaffst das! Und es wird besser werden! 🙂

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