Mut-Tour 2015 Etappe5 Kempten-München

10 Dinge, die ich auf der Mut-Tour gelernt habe

Verdammt, der Einstieg in meinen heutigen Artikel fällt mir schwerer als je zuvor. Zu hin- und hergerissen bin ich nach meinen Erlebnissen auf der fünften Etappe der Mut-Tour 2015. Wie fasse ich unsere gemeinsame Tandem-Tour im Dienst der Öffentlichkeitsarbeit gegen die Stigmatisierung von depressiven Menschen zusammen, die uns zwei großartige Tage bescherte, dann aber technisch und emotional einen Tiefpunkt nach dem anderen zu bieten hatte?

Am besten damit: Ich bereue keine Sekunde auf der Mut-Tour. Wir hatten perfektes Wetter (heiße Tage, kühle Nächte), sind zum Abkühlen in Weiher, Seen und Flüsse gesprungen, haben wunderbare und hilfsbereite Menschen sowie engagierte Pressevertreter getroffen, haben uns auf traumhaften Übernachtungsplätzen leckere Sachen gekocht und viel miteinander gelacht.

Wer weiß, wie mein Fazit aussähe, wäre nicht eines unserer drei Teams am Nachmittag des zweiten Tages gestürzt (zum Glück hat sich niemand dabei verletzt). Die Lenkerstange trug einen Schaden davon, sodass wir bis um 14 Uhr des Folgetages ungeduldig warten mussten, ob das Problem mit Hilfe eines Schweißers zu beheben ist. Kaum hatte es das Okay zur Weiterfahrt gegeben, musste Tandem 3 endgültig aus dem Rennen genommen werden, da ein weiteres Teil am Lenker brach.

Gruppe gesprengt – Stimmung im Eimer

Die Folge: Stimmung am Tiefpunkt. Eine Teilnehmerin, die eh schon ihren Ausstieg angedroht hatte, fuhr nach Hause. Zwei Teilnehmer transportierten das kaputte Bike nach München, um es dort bei Bekannten unterzustellen und kamen mit dem Auto zurück. Die Gruppe war gesprengt und wir fuhren zu dritt auf 2 Tandems weiter.

Ab dann fühlte es sich nicht mehr wie unsere gemeinsame Mut-Tour an, sondern nur noch wie etwas, das man irgendwie in Würde zu Ende bringen sollte. Alle Beteiligten bemühten sich, die Laune trotzdem oben zu halten. Als wir aber abends um 21 Uhr – geplagt von wild gewordenen Mücken, genervt von der endlosen Warterei der vergangenen 24 Stunden und erschöpft vom Fahren in der Bruthitze – noch immer kein Nachtlager gefunden hatten, bin ich mental zusammengeklappt (meine Mitfahrerin auch).

Quasi in allerletzter Sekunde, bevor es stockdunkel wurde, organisierte unser Tourleiter noch einen Platz in einem herrlichen Anwesen direkt am Pilsensee. Genießen konnte ich das aber nicht mehr. Das Betteln in einer reichen Wohngegend um einen Platz für unsere 4 Zelte empfand ich als würdelos – vor allem, da einen Kilometer weiter ein Campingplatz gewesen wäre. Doch das Bezahlen für eine Übernachtung gilt bei der Mut-Tour als erklärtes “No Go”.

Ein guter Ansatz, wenn man nachmittags um 18 Uhr das Zielgebiet erreicht und die Bauern vor Ort in Ruhe fragen kann, ob man die Zelte auf ihren Grundstücken aufschlagen kann (ich finde Wildcampen übrigens wunderbar, wenn man seinen Platz rechtzeitig sucht). Aber nicht kurz vor der Dunkelheit mitten in einem Wohngebiet nach einem brutal anstrengenden Tag. Beim Abendessen gegen 23.15 Uhr habe ich dem Tourleiter geschildert, wie schlecht es mir mit der Situation geht, dass ich mir an solch einem Ausnahmetag wesentlich mehr Flexibilität von ihm gewünscht hätte und dass ich um diese Zeit eigentlich schon lange im Schlafsack liegen wollte, um meine Energiereserven aufzutanken. Daraufhin ist das Gespräch leider eskaliert.

Wir haben uns aber am nächsten Tag soweit zusammengerauft, dass wir die Räder noch zügig die letzten 50 Kilometer nach München überführt haben. Ziel erreicht, aber mit ziemlich gemischten Gefühlen.

Mut-Tour Zeltplatz

Ein Traummorgen im Allgäu.

Meine Erkenntnisse aus der Mut-Tour

So weit also meine Kurzversion der 4 Tage mit 5 Wildfremden auf 3 Tandems. Aus der Mut-Tour habe ich einige Erkenntnisse für mich gezogen:

  • Ich habe die Tour bis zum Ende durchgezogen, worauf ich stolz bin. Früher hätte ich bei ähnlich gelagerten Problemen die Flucht angetreten.
    Lehre 1: Ich kann unangenehme Situation aushalten, meine Gefühle klar äußern und für meine Bedürfnisse einstehen.
  • Meine körperliche Fitness ist richtig gut. Eine Woche zuvor hatte ich eine kleine Krise, ob ich die Strapazen (Hitze, sehr hügelige Landschaft, schwer bepacktes Tandem) aushalten werde. Die Realität: null Muskelkater, null Hinternweh und weit entfernt von Kurzatmigkeit.
    Lehre 2: Ich kann meinem Körper noch mehr zutrauen. Und die ängstlichen Zeiten mit bangem Blick auf den Pulsmesser sind lang vorbei.
  • Mich auf etwas komplett Neues einzulassen, hat mir überraschend positive (laut singend und lachend auf dem Tandem) und überraschend negative (offener Streit am letzten Abend) Erlebnisse beschert.
    Lehre 3: Meine Neugierde aufs Leben bringt mich in meiner persönlichen Entwicklung immer ein Stück weiter.
  • Tage, an denen ich komplett an eine Gruppe gefesselt bin, und keine Rückzugsmöglichkeit habe, kosten mich mehr Energie, als ich durch das positive Gruppenerlebnis bekomme.
    Lehre 4: Ich unternehme nur noch Dinge, bei denen ich zumindest einmal am Tag Zeit für mich, Meditation oder ein kleines Nickerchen habe.
  • Das Konzept der Mut-Tour, gemeinsam beim Sport an seine Grenzen zu stoßen, geht auf. Solche Anstrengungen würden sich viele Teilnehmer auf eigene Faust bestimmt nicht zutrauen.
    Lehre 5: Ich versuche öfter, Sport mit anderen zu machen, um das Quäntchen mehr aus mir herauszukitzeln. Beim Surfkurs im Vorjahr ist das schon gut gelungen.
  • 5 Pressekontakte an 4 Tagen (zum Teil bedingt durch unsere Pannenserie) waren mir für ein Öffentlichkeits-Projekt zu wenig.
    Lehre 6: Je öfter du mit demselben Projekt/Anliegen am selben Ort vorbeikommst (bei uns war es das dritte Mal), desto geringer die Chance auf einen (ausführlichen) Pressebericht.
  • Wer um Hilfe fragt, bekommt (meistens) Hilfe. Egal, ob du Menschen bittest, bei ihnen deine Wasserflaschen auffüllen, aufs WC gehen oder sogar auf ihrem Grundstück übernachten zu dürfen.
    Lehre 7: Mein Schicksal öfter mal für kurze Zeit in die Hand anderer Menschen zu legen, ist ein weiterer Schritt aus der Komfortzone. Bei einer längeren Tramp-Tour, die auch auf meiner Bucketlist steht, will ich das weiter vertiefen.
  • Wenn du mit drei Tandems und einer wild zusammen gewürfelten Truppe unterwegs bist, fällst du automatisch auf. Genauso, wie wenn du in Radklamotten durch Brunnen rennst oder in die Isar springst. Lehre 8: Aus dem Strom der gleichförmigen Masse herauszustechen, macht Spaß. Ob das peinlich ist? Von wegen!
  • Bin ich ein Alpha-Tier? Anscheinend ja, weil ich öfter für meine Wünsche und die meiner (nicht ganz so vorlauten) Mitfahrer eingetreten bin, auch wenn sich diese nicht mit den Ideen des Tourleiters gedeckt haben.
    Lehre 9: Unter diesen Umständen bin ich gerne ein Alpha-Tier. Nur dass die Mut-Tour augenscheinlich keine zwei Alpha-Tiere verträgt.
  • Die große Mut-Tour 2016 (hier werden Etappen von 10 bis 12 Tagen gefahren) kommt für mich nicht in Frage.
    Lehre 10: Wenn ein an sich absolut unterstützenswertes Projekt meinen ganz persönlichen Praxistest nicht besteht, ziehe ich bewusst meine Konsequenz daraus.

P.S.: Nichtsdestotrotz war die Mut-Tour eine wunderbare und wertvolle Erfahrung für mich, die ich nicht missen möchte. Danke an meine lieben Mitfahrer Daniel (Verkehrssschild-Profi mit den Turbo-Wadeln), Jutta (schwäbische Küchenchefin mit Faible für Obschd), Peter (politisch-moralische Instanz mit Hang zu Slapstick-Einlagen), Andrea (so schön gschert kann Oberbayerisch sein) und Sebastian (rastloser Weltumradler und Erfinder des Tandem-Multitaskings).

Welche Gruppenerfahrung hast du schon auf Reisen gemacht? Bist du gern mit mehreren Leuten unterwegs oder machst du lieber dein eigenes Ding bzw. bist am liebsten nur mit deinem Partner auf Tour? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

18 Kommentare

  1. Veröffentlich von Sarah am 21. Juli 2015 um 18:52

    Hallo lieber Mischa,

    toll, dass du durchgehalten hast, auch wenn es einige Unstimmigkeiten gab! Das ist doch sicher ein gutes Gefühl, dass du deine Bedürfnisse klar äußern kannst, oder? Ich merke nämlich, wie ich immer mehr dazu in der Lage bin, je besser es mir geht. Früher wollte ich es immer jedem Recht machen. Mir ging es extrem (!) schlecht, wenn irgendwer von mir auch nur ein bisschen enttäuscht war. Inzwischen kriege ich es immer öfter hin, herauszufinden, was ich möchte UND das dann auch noch zu kommunizieren. Und das geilste: Keinen stört’s! Zumindest nur ganz, ganz selten und dann bekomme ich es trotzdem meistens hin, da drüber zu stehen.

    Hat dir das die Mut-Tour auch so gezeigt? Klar, mit dem Gruppenleiter war es scheinbar nicht so ideal, aber wie fühlst du dich, dass du deine Wünsche, Bedenken und Unzufriedenheiten geäußert hast?

    Ganz liebe Grüße
    Sarah

    • Veröffentlich von Anna am 21. Juli 2015 um 20:02

      Super Micha, toll geschrieben! Ich finde es beeindruckend, dass du es geschafft hast deine Meinung ganz klar und deutlich zu sagen. Ich habe immer große Bedenken davor,weil ich sehr Harmoniebedürftig bin. Nur bei meinem Liebsten schaffe ich es auch mal emotional und impulsiv zu sein und auch in dem Moment der mich in irgendeiner Form mitnimmt geradeaus frei zu sprechen. Bei fremden oder sehr dominaten Personen halte ich den Mund oder warte bis etwas Gras über die Sache gewachsen ist und ich es sachlich und neutral formulieren kann. Ich finde dich inspirierend! Vielleicht bin ich ja auch mal so weit. Wie hast du es geschafft???
      Und natürlich, toll dass du es durchgestanden und hast.
      Viele Grüße
      Anna

      • Veröffentlich von Mischa am 22. Juli 2015 um 11:27

        Hi Anna,

        lieben Dank für deine Nachricht und dein Lob!

        Ich kann mich gut in dich hineinversetzen, weil es mir früher ähnlich ging. Also meine Meinung habe ich zwar schon gesagt. Aber meine wirklichen Bedürfnisse bzw. Gefühle konnte ich nicht äußern.

        Geholfen hat mir der eine, zentrale Satz meines Therapeuten: “Du bist nicht für die Gefühle anderer Menschen verantwortlich!” Weil wir uns vor den Reaktionen der anderen fürchten, tun oder sagen wir Dinge, die wir eigentlich nicht wollen. Richten wir unser Leben aber nach unseren Bedürfnissen aus und kommunizieren die klar, dann haben wir die Chance, wirklich UNSER Leben zu führen und nicht wie Marionetten herumzutanzen. Wer das nicht verstehen will: sein Problem …

        Ganz liebe Grüße

        Mischa

    • Veröffentlich von Mischa am 22. Juli 2015 um 11:28

      Hi Sarah,

      das war sogar ein richtig gutes Gefühl! Früher hätte ich das nie so hinbekommen, hätte alles in mich reingefressen oder hintenrum gemault. Aber in der Klinik habe ich damals ganz viel zur offenen und klaren Kommunikation gelernt – und vor allem, dass ich nicht für die Gefühle anderer Menschen verantwortlich bin, wenn ich meine Bedürfnisse artikuliere. Insofern bin ich super stolz, dass ich in dem Bereich den härtest möglichen Praxistest gemeistert habe 🙂

      Klasse finde ich, dass du auch in dem Bereich so gut vorangekommen bist und deutlich merkst, dass es dir damit viel besser geht als früher.

      Freue mich drauf, mit dir nochmal ausführlich über das Thema zu plaudern.

      Ganz liebe Grüße

      Mischa

  2. Veröffentlich von Nima am 21. Juli 2015 um 19:38

    Da ist er ja, der Bericht, habe schon darauf gewartet 🙂
    Vor allem beim vierten Punkt stimme ich dir komplett zu. Gruppenveranstaltungen gehen für mich wirklich nur bedingt und ich werde extrem unleidlich, wenn ich keine Auszeit ganz für mich alleine bekomme.
    Obwohl ich sehr gerne mit Menschen zusammen bin, brauche ich unbedingt Zeit und Ruhe alleine.
    Ich fühle mich immer wie ein Schwamm, der nach einer bestimmten Zeit komplett vollgesogen ist mit Eindrücken, Wahrnehmungen, zwischenmenschlichen Schwingungen, etc. Das strengt mich an – sogar auf Partys!

    Vor dir ziehe ich meinen virtuellen Hut für deine Leistung und davor, dass du den Mund aufgemacht hast 🙂
    Liebe Grüße
    Nima

    • Veröffentlich von Mischa am 22. Juli 2015 um 11:21

      Hi Nima,

      den virtuellen Hut hat ja noch nie jemand vor mit gezogen. Was für eine schöne Premiere 🙂

      Danke für die Schilderung deiner eigenen Gruppenerfahrungen. Geht es dir auch so, dass du dir früher vorgeworfen hast, du würdest einfach nicht in die Gruppen passen und jetzt siehst, dass es einfach nur an dem Grundbedürfnis liegt, nicht komplett vereinnahmt zu werden und Zeit für dich zu brauchen?

      Ich denke, je offener man mit seinen Wünschen umgeht, umso besser ist das Leben, das man führt – auch auf die Gefahr, dass manche damit nicht umgehen können. Aber das ist ja, wie gesagt, dann deren Problem 🙂

      Liebe Grüße

      Mischa

  3. Veröffentlich von Daniela am 24. Juli 2015 um 19:50

    Lieber Micha,

    herzlichen Glückwunsch, dass du es bis zum Ende durchgezogen hast! Find ich toll. Die Mut-Tour “4 Tage 5 (wildfremde) Menschen und 3 Tandems!!!” hört sich nicht nur wahnsinnig mutig an, sondern auch echt anstrengend und nach einem Gruppenerlebnis pur!
    Ich mag deine 3. Lehre besonders gerne. Die Neugierde auf’s Leben bewahren, ist ein so ein schönes Motto für das Leben an sich. Geht es am Ende nicht immer darum, wie ein Kind Neues zu entdecken und neugierig zu bleiben. Ich mag das sehr.
    Gruppenerfahrungen auf Reisen sind immer spannend, finde ich. Da treffen wildfremde Menschen aufeinander, die sich im “normalen” Leben niemals getroffen hätten. Und die müssen dann Abenteuer bestehen. (Hört sich gerade nach einem Computerspiel an, oder?) Das schweißt unglaublich zusammen. Das sind geteilte Erlebnisse und Erfahrungen, die unmittelbar mit dieser Gruppe verknüpft sind.
    Klar, man lernt die Anderen zwangsläufig kennen. Aber auch sich selbst. So wie Du, Alpha-Tier…
    Ich überlege gerade… ich bin kein Alphatier! Oder doch??? Wird Zeit, dass ich mal wieder reise.

    Liebe Grüße,
    deine Daniela

  4. Veröffentlich von Mischa am 26. Juli 2015 um 11:22

    Hi Daniela,

    danke für die Glückwünsche 🙂

    Das war in der Tat Gruppenerlebnis pur. Hatte mir schon kurz überlegt, ob ich die Überschrift “Dschungelcamp light” nennen soll 😉

    Auf alle Fälle sind solche Erfahrungen super spannend und prägend, auch wenn ich das nicht jeden Tag in der Art brauche.

    Viel Freude bei der Antwortsuche, ob du ein Alphatier bist und natürlich beim Reisen, wenn es wieder losgeht.

    Liebe Grüße

    Mischa

  5. Veröffentlich von Oliver am 26. Juli 2015 um 21:07

    Hey Mischa,

    toll, dass du durchgehalten hast. Die Mut-Tour (letztes Jahr noch Moodtour) ist mir wohlbekannt. Der Tourleiter (sollte Sebastian sein) auch. Traf ihn zweimal kurz, einmal während der Tour. Ich fand ihn von den kurzen Treffen her sympathisch und finde es nach wie vor große Klasse, dass er solch ein stigmatisiertes Thema wie Depressionen in die Öffentlichkeit bringt. (Was du ja auch richtig gut findest)

    Schade, dass es zwischen euch gekracht hat. Gleichzeitig kann ich das gut nachfühlen. Von meinen eigenen längeren Radtouren durch Europa (wo mir der Weltumradler Sebastian im Vorfeld viele nützliche Tipps gab) weiß ich, wie sehr es an die körperlichen und emotionalen Nerven gehen kann. Ich fuhr die meiste Zeit alleine – und das ganz bewusst. Nach einem anstrengenden Radeltag hätte es mich abends sicherlich auch genervt, noch lange nach Lagerplätzen zu suchen. Und um mich herum hätte ich wahrscheinlich auch keinen mehr gebrauchen können – Stichwort: Ruhe- und Rückzugszeiten.

    Dein toller Bericht hat mir noch einmal klar gezeigt, dass ich für Gruppenreisen aller Art nur sehr bedingt zu gebrauchen bin.

    Totzdem Glückwunsch, dass du dabei warst und es trotz allem nicht bereut hast, sondern viel für dich mitnehmen konntest. Und dich gleichzeitig in Sachen Durchsetzungsvermögen und zu deinen Gefühlen/Bedürfnissen stehen üben konntest.

    Übrigens: Letzte Woche war ich auch auf einen Radkurztrip unterwegs, von Friedrichshafen nach Bregenz. Ganz alleine, mit Zelt und Sonne am Himmel und gaannz viel Zeit für mich und meinen Gedanken. Die Leichtigkeit und Freude dieser Art des Reisens hat mich einmal mehr begeistert 🙂

    viele Grüße
    Oliver

    • Veröffentlich von Mischa am 27. Juli 2015 um 10:50

      Hi Oliver,

      ich finde es klasse, dass du für dich herausgefunden hast, dass dir das Alleinradeln am meisten bringt und die dich konsequent an diesem Bedürfnis orientierst. Ruhe- und Rückzugszeiten finde ich auch extrem wichtig. In der Hinsicht kommt dann wohl doch der Intro/HSP bei mir durch 🙂

      Und dein Bodensee-Kurztrip klingt super. Bekomme ich gleich wieder Lust loszuradeln. Findet man dort auch noch Übernachtungsort abseits der Campingplätze?

      Liebe Grüße

      Mischa

  6. Veröffentlich von Oliver am 28. Juli 2015 um 20:26

    Ja, definitiv!

    Am Anfang meiner Radtouren war ich bezüglich “Wild campen” sehr vorsichtig bis ängstlich. Die deutsche Regel und Verbotsangst packte mich 😉

    Doch wie so oft bei den Ängsten: je öfters du dich ihnen stellst, desto schneller verpuffen sie. Ich bekam keine Anzeige, Anfeindungen oder Lästereien. Im Gegenteil: einmal bekam ich morgens in einem Wohngebiet (ich campierte die Nacht auf einen Spielplatz) von einer Frau sogar einen Tee gereicht!

    Mit der Zeit entwickelt man ein Auge für einen passenden Platz zum wild zelten. Natürlich sollte man nicht direkt neben einer Straße oder Radweg sein Zelt aufschlagen (obwohl ich das auch einmal tat). Ein wenig sichtgeschützt oder versteckt sollte es schon sein, ohne gleich Kilometerweit in den Wald zu radeln.

    Solche Plätze findet man eigentlich überall. So auch am viel frequentierten Bodensee – wenn man manchmal auch etwas länger suchen muss. Die erste Nacht zelte ich kurz vor Meersburg fast direkt am See. Sichtgeschützt hinter eine großen Hecke vom Radweg.

    Wildcampen = Abenteuer und Lebensgefühl pur 🙂

    liebe grüße
    Oliver

    • Veröffentlich von Mischa am 29. Juli 2015 um 19:36

      das klingt gut 🙂

      Werde ich wohl auch öfter mal ausprobieren. Früher als junge Burschen waren uns Verbote ja eh egal. Aber man muss es wohl einfach öfter wagen und sich dabei nicht ganz blöd anstellen …

      LG

  7. Veröffentlich von Evelyn Kuttig am 31. Juli 2015 um 11:10

    Lieber Mischa,

    mir gefällt ganz besonders Deine Selbstreflexion in der 10-Punkte-Liste. Wirklich auf den Punkt gebracht 🙂
    Ich lernte gerade aufgrund der Entdeckung eines Interviews von Roland Kopp-Wichmann mit Dr. Sylvia Löhken und der anschließenden Besorgung des darin erwähnten (Lern-)Buchs, dass ich eine Flex-Introvertierte bin, eine Person, die sich unter Menschen wohlfühlt, allerdings ihre Kraftreserven im Rückzug auftanken MUSS.
    Und diese Erkenntnis bestätigt meine Erfahrungen, wobei ich mir bisher immer die Schuld daran gab, wenn es zu Unstimmigkeiten kam (Mimose, Spielverderberin …). Denn ich mag es zwar sehr gerne, mit mehreren über einen längeren Zeitraum – Tage oder Wochen – unterwegs zu sein, doch brauche ich zwischendrin unbedingt Zeit für mich allein. Hier für Interessierte das halbstündige Gespräch: https://www.youtube.com/watch?v=ZssvLa8HXzQ

    Liebe Grüße
    Evy

    • Veröffentlich von Mischa am 2. August 2015 um 15:20

      Hi Evelyn,

      das ist doch interessant, dass wir erst so viele Jahre gebraucht haben, um festzustellen, was uns wirklich gut tut und was nicht, weil ja nie jemand aus der Masse ausscheren will bzw. die Schuld bei sich selbst sucht. Umso schöner finde ich es dann, die neuen Erkenntnisse ganz bewusst einzusetzen. Ganz ohne schlechtes Gewissen 🙂

      Vielen Dank für den Link und liebe Grüße

      Mischa

  8. Veröffentlich von Evelyn Kuttig am 31. Juli 2015 um 11:14

    P.S.: Im letzten Sommer hatte ich auch einen bunten Tomatendschungel auf dem Balkon: grüne, rote, gelbe und orange. Dazwischen sogar noch ein Kartoffel, die wunderschön blühte.

    • Veröffentlich von Mischa am 2. August 2015 um 15:20

      P.P.S.: Und warum in diesem Sommer nicht mehr?

  9. Veröffentlich von chris am 21. August 2015 um 9:04

    Hi Mischa,

    zuerst möchte ich dir Gratulieren und nur bestätigen, dass man aus solchen “Trips” auch sehr viel mitnehmen kann….

    Ich habe dieses Jahr auf einen “Erholungs-Urlaub” verzichtet und spontan meinen Rucksack gepackt und nahm eine 4 Tages Bergtour auf mich….. jeden Tag 10km marschieren, bis zu 2 Aufstiege am Tag – ich war zudem alleine unterwegs. Es ging an die Grenzen meines Körpers.
    Trotzdem überwindete ich mich am letzten Tag, als die Kraft am Ende war, jeder Schritt schmerzte, der Körper rebellierte, nach einem Abstieg die letzten 18km quert durchs Tal auf mich zu nehmen.
    Nach der Wanderung kann ich mit Sicherheit behaupten, dass keiner meiner Freunde diese Anstrengung auf sich genommen hätte…

    Es waren aber 4 Tage voller Erkenntnisse:
    – das die körperlichen Grenzen weit über meine Vorstelllungen hinaus gehen können
    – ich konnte die Freiheit spüren (man lässt unsinnige Gedanken, Sorgen einfach im Tal)
    – es zählten nur noch die Grundbedürfnisse (reicht das Essen aus, wo wird übernachtet)
    – die Beziehung zum Körper wurde dadurch gestärkt
    – ich konnte Ängste überwinden (Höhenangst ;))

    Die Tour hat mir persönlich sehr viel Kraft gegeben, denn zu dieser Zeit ging es mir nicht besonders.
    Die Tour hat mir aber wichtige Dinge wieder in mein Bewusstsein gerufen,
    nämlich :
    – wie wichtig es ist an sich zu glauben
    – stolz auf sich zu sein
    – und die Ängste – die nunmal unser Leben eingrenzen – zu überwinden….

    in diesem Sinne, alles Liebe Christopher

    • Veröffentlich von Mischa am 22. August 2015 um 11:08

      Hi Christopher,

      du hast das Ganze mit Höhenangst gemacht? Das ist der Hammer! Da ziehe ich gleich mehrfach den Hut.

      Wie eindrucksvoll diese Erfahrung war kann man wirklich aus jeder Zeile herauslesen. Vielen Dank, dass du uns daran teilhaben lässt und auch andere zu mutigen Dingen ermunterst.

      Ganz liebe Grüße und weiter so viel Mut auf deinem Weg

      Mischa

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